EU AI Act: Was du als Selbstständige:r in Österreich jetzt wissen musst
Du nutzt ChatGPT für deine Texte, Midjourney für Bilder oder einen KI-Chatbot auf deiner Website? Dann betrifft dich der EU AI Act — und zwar jetzt, nicht irgendwann. Die häufigste Reaktion, die ich in meinen Workshops höre, wenn ich das Thema anspreche: „Das ist doch sicher nur für große Unternehmen." Spoiler: Ist es nicht. In diesem Artikel erkläre ich dir als Social-Media- und KI-Marketing-Expertin verständlich, was der EU AI Act für dich als Einpersonenunternehmen (EPU) oder Kleinunternehmer:in in Österreich konkret bedeutet — vor allem wenn du Social Media für dein Marketing nutzt. Und am Ende gibt es einen kostenlosen interaktiven Compliance-Check, mit dem du in 5 Minuten siehst, wie gut du bereits aufgestellt bist.
KI-MARKETINGSOCIAL MEDIA MARKETING
Natascha Ljubic
6/26/20264 min read


EU AI Act: Was du als Selbstständige:r in Österreich jetzt wissen musst (+ kostenloser Compliance-Check)
Von Natascha Ljubic · KI Marketing mit Herz ·
Stand: 27 Juni 2026 · Lesezeit: ca. 7 Minuten
Du nutzt ChatGPT für deine Texte, Midjourney für Bilder oder einen KI-Chatbot auf deiner Website? Dann betrifft dich der EU AI Act — und zwar jetzt, nicht irgendwann.
Die häufigste Reaktion, die ich in meinen Workshops höre, wenn ich das Thema anspreche: „Das ist doch sicher nur für große Unternehmen." Spoiler: Ist es nicht.
In diesem Artikel erkläre ich dir als Social-Media- und KI-Marketing-Expertin verständlich, was der EU AI Act für dich als Einpersonenunternehmen (EPU) oder Kleinunternehmer:in in Österreich konkret bedeutet — vor allem wenn du Social Media für dein Marketing nutzt.
Und am Ende gibt es einen kostenlosen interaktiven Compliance-Check, mit dem du in 5 Minuten siehst, wie gut du bereits aufgestellt bist.
Was ist der EU AI Act überhaupt?
Der EU AI Act (offiziell: EU-Verordnung 2024/1689) ist das weltweit erste umfassende Gesetz zur Regulierung künstlicher Intelligenz. Er gilt unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten — also auch in Österreich, ohne dass ein eigenes nationales Gesetz nötig wäre. Er ist mit dem EU-AI-Act mit der DSGVO vergleichbar: ein Regelwerk, das für alle gilt.
Der Ansatz ist risikobasiert: Je mehr Schaden eine KI-Anwendung anrichten kann, desto strenger die Anforderungen. Es gibt vier Risikoklassen:
Inakzeptables Risiko → verboten (z.B. Social Scoring, manipulative KI-Systeme)
Hohes Risiko → strenge Pflichten (z.B. KI im HR-Bereich, Kreditvergabe)
Begrenztes Risiko → Transparenzpflichten (das betrifft die meisten Selbstständigen!)
Minimales Risiko → keine zusätzlichen Pflichten (z.B. Spam-Filter, Rechtschreibprüfung)
Die gute Nachricht: Die meisten Tools, die du als Selbstständige:r einsetzt — ChatGPT für Texte, KI-Bildgeneratoren, Canva AI — fallen in die Kategorie „begrenztes Risiko". Das bedeutet: keine riesige Compliance-Abteilung nötig, aber konkrete Transparenzpflichten.
Die wichtigsten Fristen — was gilt wann?
Viele wissen nicht, dass erste Pflichten bereits in Kraft sind:
✅ Seit 02. Februar 2025: KI-Kompetenz-Pflicht (Art. 4)
Seit Februar 2025 bist du als Unternehmerin oder Unternehmer verpflichtet sicherzustellen, dass du (und eventuelle Mitarbeitende) nachweisbare KI-Kompetenz haben. Das klingt nach viel, bedeutet in der Praxis für EPUs: Du solltest dokumentieren können, welche KI-Tools du einsetzt und dass du weißt, wie du sie sicher und verantwortungsvoll verwendest.
Was das für dich bedeutet: Mach dir eine Liste deiner KI-Tools. Informiere dich über deren Funktionsweise und Risiken. Das schützt dich im Zweifelsfall.
✅ Seit 02. August 2025: GPAI-Transparenzpflichten
Für Anbieter großer KI-Modelle wie ChatGPT, Claude oder Copilot gelten seit Sommer 2025 eigene Pflichten. Als Nutzerin oder Nutzer wirst du davon indirekt betroffen — zum Beispiel durch Kennzeichnungsfunktionen, die diese Plattformen einführen müssen.
🔴 Ab 02. August 2026: Kennzeichnungspflicht — der wichtigste Stichtag für dich
Hier wird es für Social-Media-Marketer:innen konkret. Ab diesem Datum greift Artikel 50 des EU AI Acts — und der hat es in sich, wenn du regelmäßig KI-Inhalte veröffentlichst.
Was musst du ab August 2026 kennzeichnen?
Das ist die Frage, die ich in meinen Vorträgen am häufigsten gestellt bekomme. Hier die Antwort — klar und ohne Juristendeutsch:
Kennzeichnungspflicht: JA, das muss als KI markiert werden
KI-generierte Bilder auf Social Media, die realistisch wirken (z.B. mit Midjourney, DALL-E, Adobe Firefly erstellt)
KI-generierte Videos oder KI-Avatare (z.B. Synthesia-Videos, Voice Cloning)
Deepfakes — also realistische KI-Darstellungen echter Personen, Orte oder Ereignisse
Vollständig KI-generierte Texte, die ohne dein eigenes Review veröffentlicht werden
Chatbots: Nutzer:innen müssen beim ersten Kontakt klar erkennen, dass sie mit einer KI — nicht mit dir — sprechen
Keine Kennzeichnungspflicht: NEIN, das musst du NICHT kennzeichnen
Und hier ist das, was viele überrascht — es gibt nämlich relevante Ausnahmen:
Rein werbliche Social-Media-Captions auf Instagram, LinkedIn, TikTok & Co.
Werbeanzeigen-Slogans und Headlines, bei denen KI zur kreativen Ideenfindung genutzt wurde
Blogposts und Texte, die du mit KI-Unterstützung erstellt, aber selbst überarbeitet, geprüft und mit eigenen Insights versehen hast
Produktbeschreibungen, die durch KI optimiert, aber menschlich kontrolliert wurden
Die Schlüsselfrage lautet immer: Könnte der Inhalt Menschen täuschen, weil er als menschengemacht wirkt, obwohl er es nicht ist?
Warum ist das besonders relevant für Social Media Marketing?
Als Social-Media-Expertin sehe ich täglich, wie viele Selbstständige KI-Tools für ihren Content einsetzen — oft sehr kreativ und effizient. Aber dabei entstehen auch Risiken:
1. KI-Bilder als „echte" Fotos
Ein täuschend echtes KI-generiertes Bild, das dein Produkt zeigt oder Lifestyle-Momente darstellt, die so nie stattgefunden haben — das muss ab August 2026 klar als KI-generiert gekennzeichnet werden. Sonst riskierst du nicht nur AI-Act-Bußgelder, sondern auch wettbewerbsrechtliche Abmahnungen nach dem UWG — und die sind schon heute möglich.
2. Gefälschte Testimonials und Bewertungen
KI-generierte Kundenstimmen oder Erfahrungsberichte, die nicht auf echten Aussagen beruhen — das ist nicht nur AI-Act-relevant, sondern auch nach dem Wettbewerbsrecht problematisch.
3. Chatbots ohne Kennzeichnung
Hast du einen KI-Chatbot auf deiner Website? Dann müssen Besucher:innen ab August 2026 beim ersten Kontakt automatisch darüber informiert werden, dass sie mit einer KI interagieren.
Was du als EPU jetzt konkret tun solltest
Du musst kein Compliance-Experte werden. Aber diese fünf Schritte machen einen großen Unterschied:
KI-Inventar anlegen — Liste alle KI-Tools, die du beruflich nutzt
Risikoklasse prüfen — Fällt deine KI-Nutzung unter „begrenztes Risiko"? Dann sind vor allem Transparenzpflichten relevant
KI-Nutzungsregeln aufschreiben — Auch für dich selbst als EPU: Was gibst du in welche Tools ein? Was NICHT (Kundendaten!)?
Kennzeichnungsprozess einführen — Wann kennzeichnest du KI-Inhalte, wann nicht? Leg das jetzt fest
Datenschutzerklärung prüfen — Wenn du KI-Tools mit Personenbezug nutzt, sollte das in deiner Datenschutzerklärung stehen
Wo stehst du? Mach jetzt den kostenlosen Check
Ich habe einen interaktiven Compliance-Check speziell für Selbstständige und EPUs in Österreich entwickelt. In 5 Minuten und 25 Fragen erfährst du:
Wie gut du den EU AI Act bereits umsetzt (in Prozent)
In welchen Bereichen du noch Handlungsbedarf hast
Konkret, was du als nächstes tun solltest
Der Check ist kostenlos, anonym und liefert sofort eine Auswertung.
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Ressourcen & weiterführende Links
Natascha Ljubic ist KI-Marketing- und Social-Media-Expertin mit 20+ Jahren Erfahrung und hat 350+ Workshops mit 2.200+ Unternehmer:innen durchgeführt. Dieser Artikel dient zur Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Bei rechtlichen Fragen wende dich an die RTR KI-Servicestelle oder eine:n Rechtsanwält:in.
Mag. Natascha Ljubic, BSc
KI-Workshops, Social Media Strategie & Vorträge für Unternehmen, Coaches und Berater. Wien & österreichweit. KI Marketing Beratung | Vortragende | Trainerin
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